Online-Sprechstunde Nr. 2 und Buttons

Vor einiger Zeit hatten wir einen ersten Versuch für eine Online-Live-Sprechstunde mit Twiddla gemacht. Dabei hatte sich herausgestellt, dass twiddla ein super Tool für die synchrone Online-Kooperation in kleinen Gruppen ist. Für eine Sprechstunde mit einer größeren Teilnehmerzahl ist es allerdings nicht sonderlich geeignet, insbesondere weil die Audio-Kommunikation nicht gut kontrollierbar ist. Daher starten wir nun ein zweites Experiment: Die nächste Online-Sprechstunde wird mit Adobe Connect stattfinden. Der Termin: Mittwoch, 2. Oktober 2013, 19 – 20 Uhr. Der Link wird zeitnah bekannt gegeben. Eure Fragen könnt ihr aber schon vorab in ein eigens dafür eingerichtetes Fragen-Titanpad einstellen. Einfach reinschreiben!

Darüber hinaus stellen wir nun einige Buttons zur Verfügung, die ihr in eure Website oder euren Blog einbinden könnt. Teilt der Welt mit, dass ihr am Mathe-MOOC teilnehmt! 🙂 Die Buttons und die entsprechenden Codes zum Einbinden findet ihr auf unserer Button-Seite.

Ja, und wie immer am Schluss eines Beitrags: Falls ihr noch nicht im Mathe-MOOC eingeschrieben seid, dann mal schnell nachholen! 🙂

[Update:] Die Infos zur Teilnahme an der 2. Sprechstunde gibt es hier: http://mathemooc.de/2013/10/01/zweite-online-sprechstunde/

Gastbeitrag: Eindrücke aus Bayreuth

Die Gewinnerin des großen Mathe-MOOC-Bayreuth-Wettbewerbs Mirjam Fritz berichtet von einem unvergesslichen Wochenende…

„Sie haben ihr Ziel erreicht!“ Selten bietet sich einem solch ein Anblick, nachdem das Navi diese erfreuliche Nachricht verkündet hat. Wir, Christian und Mirjam, hatten am Samstag das Glück, nach der letzten Kurve plötzlich das Schloss Thurnau vor uns zu sehen, das uns für eine Nacht als Herberge dienen sollte.

thurnau

Doch auch wenn sich der Anblick dieses Ortes – in dem an einem Samstagnachmittag die Straßen wie leer gefegt sind und es unmöglich ist, etwas Essbares aufzutreiben – durchaus lohnt, war er nicht das eigentliche Ziel unserer Reise. Dieses lag ca. 18 km süd-östlich.

Lässt man sich an einem Sommernachmittag in Bayreuth von den Menschenströmen mittragen, landet man unausweichlich vor dem großen Festspielhaus. Schon über eine Stunde vor Beginn der Oper sieht man dort festlich gekleidete Leute, die auf den Einlass warten und versuchen, sich in dem ausführlichen Opernführer ein Bild von dem zu machen, was sie erwartet. Und mitten drin standen am Samstag auch wir, gespannt was da wohl auf uns zukommen würde.

festspielhaus

Vom ersten Orchestereinsatz an hörten wir, dass Wagner wusste, was er tat, als er den Konzertsaal bauen ließ. Sofort waren wir umgeben von einem perfekt abgemischten, weichen Orchesterklang, der für uns die Oper „Der fliegende Holländer“ zu einem besonderen Klangerlebnis machte. Da vergisst man zwischendurch sogar den kaum gepolsterten Holzstuhl unter sich und auch dass man mehrere Passagen des deutschen Textes kaum versteht. Egal, wofür gibt es schließlich die Musik, die einem zeigt, ob es auf der riesigen Bühne gerade romantisch oder dramatisch zugeht! Die sehr moderne, für Interpretation offene Inszenierung scheint – dem Applaus nach zu urteilen – nicht nur uns gefallen zu haben. Wir jedenfalls sind uns einig: Eigentlich müssten wir uns die Aufführung gleich noch einmal anschauen, um alles aufnehmen zu können. Aber auch so haben wir viele wertvolle Eindrücke mit nach Hause genommen. Es war eine Reise, die sich gelohnt hat, und ich bin dankbar, dass ich sie erleben durfte!

Nachtrag: Zum Abschluss lassen wir es uns nicht nehmen, nochmals das grandiose Gewinner-Video von Mirjam zu präsentieren:

 

 

Online-Sprechstunde mit twiddla

Heute abend (Dienstag, 27.8.2013, 19 Uhr) findet unsere erste experimentelle Mathe-MOOC-Online-Sprechstunde statt, und zwar unter folgendem Link:

http://www.twiddla.com/mathemooc

Wer vorab das Tool twiddla (wir berichteten) ausprobieren möchte, kann dies natürlich unter http://www.twiddla.com tun. Darüber hinaus haben wir ein kleines Tutorial erstellt, in dem wir euch zeigen, wie man twiddla verwenden kann:

 

 

Also: Komm heute abend dazu und bringt ein paar Fragen mit, zum Beispiel zum MOOC selbst oder zum Beispielkapitel!

Last but not James:

  • Unsere Online-Umfrage läuft weiterhin. Hilf uns bei der MOOC-Entwicklung und fülle sie aus (es dauert nicht lange). Danke schön!
  • Du hast dich noch nicht im Mathe-MOOC angemeldet? Dann mal los! 🙂

Gemeinsam sind wir stärker: Online-Umfrage und Online-Sprechstunde

Online-Umfrage: Wir entwickeln den Mathe-MOOC nicht alleine, sondern gemeinsam mit euch: den Teilnehmerinnen und Teilnehmern! Zu diesem Zweck wollen wir uns ein Bild von eurer Lernsituation und euren Vorstellungen, Wünschen und Ideen machen. Wollt ihr im MOOC mitmachen? Wenn ja, mit welchen Zielen? Und wie? Oder wollt ihr nicht mitmachen? Warum nicht? Wir möchten euch bitten, diese und weitere Fragen in unserer Online-Umfrage zu beantworten:

Falls ihr euch das Beispielkapitel The Secret of Pythagoras schon angesehen habt, dann könnt ihr uns in der Umfrage auch dazu euer Feedback geben. Und falls nicht, dann könnt ihr euch natürlich das Kapitel auch weiterhin ansehen.

Online-Sprechstunde: Wenn der MOOC läuft, werden wir regelmäßig Online-Live-Sprechstunden machen, in denen wir uns live und synchron über den Kurs unterhalten können. Ursprünglich wollten wir Google-Hangout dafür verwenden, nun hat uns aber Annette Schulze auf ein Werkzeug aufmerksam gemacht, das sich wesentlich besser zu eignen scheint: twiddla. Was ist das?

  • Es handelt sich um ein Online-Whiteboard, auf dem alle Beteiligten gemeinsam schreiben und zeichnen können.
  • In den Hintergrund kann man Dokumente, Bilder oder Webseiten laden und dann „darauf“ zeichnen.
  • Parallel gibt es einen Audio-Kanal und einen Textchat, in denen wir über die Inhalte sprechen können (wenn ihr Audio anschaltet, dann bittet euch euer Browser nochmals um Zustimmung, ansonsten könnt ihr nicht sprechen)
  • Man kann Latex-Formeln eingeben und die Formeln in das Whiteboard einfügen.

Eine Test-Sprechstunde findet statt am Dienstag, 27.8.2013, 19 Uhr! Der exakte Link zur Teilnahme an der Test-Sprechstunde wird hier kurz vorher bekannt gegeben. Haltet euch aber schon mal den Termin frei, und vorher könnt ihr natürlich auch twiddla einmal selbst ausprobieren.

Online-Anmeldung: Wenn du beim Mathe-MOOC ab 15. Oktober 2013 mitmachen möchtest, dann melde dich an – es sind noch Plätze frei! :-))

[Update: Der Link zur Online-Sprechstunde am Dienstag, 27.8.2013, 19 Uhr, lautet: http://www.twiddla.com/mathemooc – weitere Infos, Tutorial etc. gibt es im neuesten Blogbeitrag]

 

Bayreuth-Wettbewerb: The WINNER is….

Mirjam Fritz mit Ihrem Beitrag:

 

 

Wir gratulieren der Gewinnerin des Mathe-MOOC-Bayreuth-Wettbewerbs! Mirjam Fritz wird am 24. August 2013 den Fliegenden Holländer ansehen. Mit im Preis enthalten ist eine Übernachtung in Schloss Thurnau. Alles in allem ein toller Preis – Mathe macht’s möglich! 🙂

Natürlich ist uns die Entscheidung nicht leicht gefallen – insgesamt gab es 12 Beiträge, die hier nochmal übersichtlich in einem Pinterest-Board präsentiert werden. Einen herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben!

Mitmachen könnt ihr auch heute schon bei unserem MOOC-Beispielkapitel The Secret of Pythagoras. Einsteigen lohnt sich! Genau so wie die Anmeldung zum Mathe-MOOC! Der Kurs wird ab 15. Oktober auf der iversity stattfinden: Melde dich heute schon kostenlos an!

Das Beispielkapitel steht online: The Secret of Pythagoras

Unser Beispielkapitel ist nun online! Chapter 0: The Secret of Pythagoras! Und dass es dabei gleich richtig zur Sache geht, zeigt dieser Teaser:

 

 

Mit dem Testkapitel verfolgen wir mehrere Ziele:

  1. Wir möchten dir Lust auf den MOOC machen. Und du willst ja bestimmt auch im Vorfeld wissen, worauf du dich einlässt.
  2. Wir hätten gerne dein Feedback zu den einzelnen Units. Wir produzieren jetzt nämlich fleißig für den MOOC, und je früher wir dein Feedback haben, umso besser: Dann können wir nämlich deine Wünsche und Anregungen bei der Produktion der nächsten Kapitel berücksichtigen.

Wir haben jede Menge Erfahrungen bei der Produktion gemacht, und ganz klar: Wir sind noch nicht perfekt! Micha und Christian sinnieren über die letzten Wochen:

 

 

Tauche ein in die Welt des Pythagoras: Das ganze Kapitel ist voller mathematischer Anregungen! Was hat es eigentlich mit Kiebitzen, Anpackern und Formalisierern auf sich? Das erfährst du auf der Seite mit grundlegenden Erläuterungen zum Beispielkapitel. Das gesamte Beispielkapitel The Secret of Pythagoras ist übrigens dreispaltig aufgebaut: links gibt es nähere Erläuterungen zum Konzept, in der Mitte findest du im Wesentlichen die Arithmetik, rechts die Geometrie. Alles ist anklickbar!

Und: Die Materialien sind nicht nur zum Betrachten, sondern zum Mitmachen da! Jede Seite in dem Beispielkapitel bietet die Möglichkeit, eigene Lösungen und Lösungsideen hochzuladen, Fragen zu stellen und zu kommentieren. Und du kannst sogar deine handschriftlichen Notizen und Skizzen fotografieren und als Kommentar einstellen!

Du hast Feedback zur Gestaltung des Kapitels? Zur Didaktik? Zum Design? Dieses kannst du hier als Kommentar zu diesem Blogbeitrag einstellen! Lasst uns gemeinsam über Verbesserungsmöglichkeiten sprechen. Diese versuchen wir dann bei der weiteren Produktion zu berücksichtigen!

Der MOOC startet am 15. Oktober 2013 auf iversity: Melde dich heute schon kostenlos an!

Und, nicht vergessen: Der Mathe-MOOC-Wettbewerb, mit dem du eine Karte für die Bayreuther Festspiele gewinnen kannst, läuft noch bis 8. August!

Gewinne den Fliegenden Holländer!

Christian Spannagel hat jahrelang versucht, an Karten für die Bayreuther Festspiele zu kommen. Vergeblich. Dieses Jahr ist es ihm gelungen: Er hat zwei Karten für den Fliegenden Holländer erwerben können! Eine Karte nimmt er in Anspruch – doch wer begleitet ihn?

Die Antwort: Du kannst die zweite Karte gewinnen! Was musst du dafür tun? All das wird in folgendem Video der Mathe-MOOC-Macher (*) erklärt:

Die einzelnen Schritte zur Teilnahme:

  • Erstelle ein Video (wie im Trailer beschrieben) und lade es auf Youtube hoch.
  • Verlinke dein Video in einem Kommentar zu diesem Blogbeitrag.

Was kannst du gewinnen?

Du musst nur irgendwie nach Bayreuth kommen – und natürlich vorher gewinnen! Es entscheidet die vierköpfige Mathe-MOOC-Macher-Jury. Einsendeschluss ist der 8. August 2013. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen.

Also:

  1. Mach mit beim großen Bayreuth-Mathe-Wettbewerb!
  2. Teile diesen Blogbeitrag auf Facebook, Twitter, Google+ und in all deinen Netzwerken! Informiere Freunde, Bekannte und Kollegen!
  3. Nicht vergessen: Melde dich selbst beim Mathe-MOOC Mathematisch denken! an – es sind noch Plätze frei! 😉

(*) Ein MOOC ist ein „Massive Open Online Course“, ein Online-Kurs mit einer sehr großen Teilnehmerzahl. Wir haben einen von zehn MOOC-Fellowships des Stifterverbandes in Kooperation mit iversity gewonnen und starten unseren Mathe-MOOC im Oktober diesen Jahres. Hier gibt es weitere Infos, und anmelden kannst du dich auch schon – es ist kostenlos!

Kursbeschreibung: Update

Unsere Kursbeschreibung hatte eine grundlegende Überarbeitung verdient: Sie war noch „zu akademisch“ formuliert und war uns noch nicht motivierend genug. Nun erscheint sie in einem neuen Gewand. Wir haben uns nochmal richtig Gedanken gemacht, wie wir unsere unterschiedlichen Zielgruppen direkt ansprechen und für die Teilnahme am Mathe-MOOC begeistern können.

Werft einmal einen Blick auf die neue Kursbeschreibung.

Nun hätten wir gerne euer Feedback:

  1. Weckt die Kursbeschreibung euer Interesse? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
  2. Wird deutlich, welche Ziele wir mit dem MOOC verfolgen?
  3. Ist noch etwas unklar? Wenn ja, wie könnten wir es klären?
  4. Motiviert euch die Beschreibung zur Teilnahme? Wenn nein: Was fehlt euch noch dazu?

Apropos: Ihr könnt euch natürlich auch schon anmelden – dann erhaltet ihr auch die Nachrichten, die wir an die zukünftigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschicken.

Mathe-Videos im Web: eine kleine Analyse

Man trifft ja im Web auf zahlreiche Mathevideos. Ich bin mal durch die Gegend gestreift und hab ein paar Eindrücke und Überlegungen gesammelt (in Ergänzung zu den Beiträgen von Martin und Michael). Ehrlich gesagt finde ich viele Videos, auf die man im Web stößt, oft ein wenig gruselig. Wenn ich mir vorstellen müsste, mit diesen Videos zu lernen, ich würde mich vermutlich nur schwer dazu motivieren können. Warum? Hier ein paar Gründe:

1. Reines Training von Verfahren. Es wird ein Verfahren vorgestellt und an einem oder mehreren Beispielen veranschaulicht. Das Prinzip: Nimm das Verfahren und benutze es. Also: Es geht nur darum, ein Verfahren anzuwenden, nicht darum, das Verfahren zu verstehen. Keine Entwicklung von Lösungen, sondern eine Präsentation von Lösungsformeln, die scheinbar irgendwie mit Magie zu funktionieren scheinen. Aber warum soll ich lernen, Verfahren anzuwenden? Das können auch Computer, und zwar schneller und vermutlich auch fehlerfreier. Ich will verstehen, warum etwas so ist wie es ist. Und ich will Spaß am Mathematik treiben haben: knifflige Probleme lösen, eigene Entdeckungen machen, und selbst gefundene Lösungen schöner machen. Videos könnten mich dazu anregen – das tun sie aber in der Regel nicht.

2. Reine Symbolik: Bei vielen Videos erhält man den Eindruck: Mathematik = Formelei. Es wird oft nicht einmal mit visuellen Darstellungen gearbeitet, obwohl dies ganz oft möglich wäre und ehrlich gesagt auch nahe liegen würde. Weshalb erarbeitet man die Bestimmung der Symmetrie eines Funktionsgraphen nicht erst einmal anhand des Funktionsgraphen? Es wird oft viel zu früh auf die symbolische Ebene gewechselt und das formelmäßig ausgerechnete Ergebnis allenfalls am Bild kontrolliert (wenn man Glück hat). Dabei geht es in der Mathematik eigentlich in erster Linie nicht um Symbolik, sondern um Vorstellungskraft, die einem hilft, sich einen Sachverhalt mit visuell-räumlich-analogen, aber dennoch irgendwie abstrakten Quasibildern vorzustellen und anhand dieser Vorstellungen Lösungen oder Lösungsideen zu sehen.  Mathematik braucht dynamische mentale Modelle, auf denen ich operieren kann. Mathematik ist gedankliches Handeln an veränderlichen mentalen Vorstellungsobjekten. Formelsprache braucht man eigentlich erst im zweiten Schritt: Sie erfüllt unter anderem die Funktion, gefundene Lösungen und Beweise nochmals mit algebraischen Umformungen zu validieren, denn diese haben (aufgrund der Täuschungsgefahr bei visuellen Bildern) durch ihre abstrakte Symbolik nochmal ein Stück weit mehr Überzeugungskraft und sind kompakter im weiteren Verlauf zu handhaben. Außerdem helfen die formale Logik und Algebra dabei, Sätze abstrakt festzuhalten, Denkfehler bei Beweisgängen zu identifizieren und Verfahren der automatisierten Berechnung zugänglich zu machen (also z.B. Computern). Abstraktion kommt aber immer am Ende mehrere konkreter Erfahrungen. Und konkrete Erfahrungen heißt hier: mit realen oder vorgestellten Objekten hantieren.

3. Langweilige Präsentation: Die Rechenverfahren werden mit einer gleichbleibend monotonen Stimme, dozierend und un-entusiastisch vorgetragen. Da wird’s einem schnell langweilig (siehe im Beitrag von Martin: Der Tonfall ist das wichtigste).  Auch ein Garant für Langeweile: Immer das gleiche Präsentationsformat. Immer Screencast mit derselben Schrift und demselben Hintergrund, nie sieht man die Person. Oder: Immer Tafelvideos, immer aus derselben Perspektive gefilmt (manchmal steht der Dozent sogar konsequent vor der Tafel und verdeckt mit seinem Körper das, war er gerade schreibt). Da besteht die Gefahr, dass man das als Student – und insbesondere als MOOC-Teilnehmer – kein Semester lang durchhält. Es ist alles so vorhersehbar. Spannungsbogen: null. Überraschungen: keine. Mögen Menschen so lernen?

Insgesamt erhält man oft den Eindruck, Mathematik ist a) monoton b) langweilig c) rein symbolisch d) Anwendung von Formeln.

Ich nehme bei dieser Kritik meine eigenen Videos nicht aus, viele Fehler dieser Art sind auch mir mehrfach unterlaufen. Umso spannender wird die jetzige Entwicklung des MOOCs. Hier versuchen wir, konsequent andere Wege zu gehen: Motivierende Impulsvideos, Fokussierung auf gute Aufgaben zum selbstständigen Erarbeiten von Zusammenhängen, interessante Entdeckungsaufträge, ikonische (d.h. bildhafte) Erläuterungen. Die Symbolebene gibt es natürlich auch (selbstverständlich ist diese wichtig), aber nicht nur und insbesondere nicht am Anfang einer Einheit.

Welche Tipps und Anregungen habt ihr für uns? Wie möchtet ihr die Mathe-Videos gestaltet sehen? Habt ihr ein paar Beispiele für uns, bei denen ihr sagen würdet: „Bitte so!“ (oder „Bitte so nicht!“)? Und warum?

Über Geheimzirkel und Verschwörungstheorien

Eine Möglichkeit, die Beschäftigung mit Mathematik zu motivieren, ist ein Einblick in das Leben berühmter Mathematiker, die oft nur im Abstrakten bleiben. Mathematiker sind aber schließlich Menschen aus Fleisch und Blut gewesen, die vermutlich ein genau so spannendes Leben geführt haben wie jeder von uns.

Den Satz von Pythagoras kennt jeder, aber Pythagoras? Irgend so ein Grieche, der sich mit rechtwinkligen Dreiecken befasst hat? Weit gefehlt. Wer stöbert, der findet. Zum Beispiel im Buch Musik, Magie und Medizin von Lutz, das er bereits 1997 in Vorbereitung auf den MOOC geschrieben hat, oder im Buch der Zahlen von Peter J. Bentley (danke an Teufelchen für den Tipp). Ein paar Stichpunkte machen klar, dass das Leben von Pythagoras höchst spannend war:

  • Er war Begründer eines Geheimzirkels, einer „erfolgreichen Mysterienschule“, einer Philopsophiesekte, mit allem Geheimkrämerei-Schnickschnack, den man sich so denken kann: ein innerer Zirkel, in den man erst nach einer Einweihung gelangte, 5 Jahre lang Redeverbot nach Einstieg in die Mysterienschule, Meditation, Seelenheil, priesterliches Geheimwissen, Geheimhaltung und entsprechende Verschwörungstheorien: „Es gab drei Grade der Einweihung. Zunächst lernten die Schüler die acoustici, die mathematisch-harmonikalen Grundlagen anhand des Monochord. In der zweiten Stufe ging es um die mathematici, die tieferen Gesetze der Mathematik, verbunden mit Meditationstechniken, Gedankenkontrolle und persönlicher Läuterung. Auf der dritten und höchsten Stufe erwarteten die electi die Mysterien der persönlichen Transformation, der seelischen Verwandlung und die Heilung mit Klang und Musik.“ (Berger, S. 241)
  • Pythagoras war natürlich „Allrounder“, wie das damals üblich war: Philosophie, Mathematik, Politik, Religion. Für nichts war er sich zu schade.

School_of_Giordano_Pythagoras

  • Eines seiner Hauptbetätigungsfelder waren Harmonik und Ästhetik: Musik auf der Erde ist ein Abklatsch der Harmonie, die zwischen den Planeten herrscht.  Ein höherer Sinn steckt dabei im Verhältnis der Zahlen zueinander: Proportionen haben eine ästhetisch-harmonische Bedeutung.
  • Wie immer wussten andere es schon vorher. Das Orakel von Delphi soll vorhergesagt haben, dass Pythagoras „auserwählt sei, den Menschen Schönheit, Harmonie und Weisheit zu bringen.“ (Berger, S. 241)
  • In allen Dingen war er sehr fortschrittlich: Männer und Frauen waren in seiner Schule gleichberechtigt. Aber nicht nur fortschrittlich, sondern auch streng: „Sie mussten ihren Besitz aufgeben, Vegetarier werden und folgende Überzeugungen annehmen: 1) dass die Welt in ihren Urprinzipien mathematischer Natur ist, 2) dass diese Philosophie für die geistige Reinigung verwendet werden kann, 3) dass die Seele sich mit dem Göttlichen vereinen kann 4) dass bestimmte Symbole eine mystische Bedeutung haben, 5) und dass alle Jünger des Ordens loyal und verschwiegen sein sollten.“ (Bentley, S. 29). Also, zumindest vermutet man das so, es drang ja kaum was nach außen, gell.
  • Jede Menge Legenden ranken sich um seinen Tod: War es Mord oder eine politische Verschwörung?

Geheimzirkel, Priesterwissen, Verschwiegenheit, Verschwörung… das ist doch voll die Mystery-Kiste! Wenn sich das mal nicht als Motivation eignet: Wir weihen die MOOC-Teilnehmer in geheimes Mathematik-Wissen ein! Sie werden aufgenommen in den Zirkel der Erlauchten und  mathematikoi genannt. Man durchläuft mehrere Stadien der Einweihung… und es herrsche absolute Verschwiegenheit! Wär das was?