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So, jetzt sind ca. drei Viertel unseres Mathe-MOOCs abgeschlossen, das letzte Viertel steht bis Mitte Februar an. Zeit für eine kleine Zwischenreflexion. Ein paar lose Gedanken aneinander gereiht:

Aufwand: Wir sind verrückt, was den Aufwand anbelangt. Die Produktion ist unglaublich aufwändig, und die Durchführung auch. Zum einen ist unser MOOC ja ein Doppel-MOOC, d.h. er deckt zwei Lehrveranstaltungen ab (Arithmetik und Geometrie). Zum anderen ziehen wir auch konsequent die 15 Wochen durch. Wenn ein MOOC den Anspruch einer Hochschul-Lehrveranstaltung haben will, dann muss er unserer Auffassung nach auch den kompletten Stoff von 15 Lehrveranstaltungswochen abdecken. Wir produzieren also sozusagen 30 Wochen Hochschullehre, das ist extremst aufwändig. Ich würde es aber jederzeit wieder machen, weil: es macht einen großen Spaß, und ich selbst habe auch viel dabei gelernt. Unser Team ist super, da scheut man auch den Aufwand nicht. (Geteiltes Leid ist halbes Leid :-)).

Pure Statistik: Aktuell sind 5897 Personen in den MOOC eingeschrieben, und es tragen sich auch weiterhin fleißig Personen in unsere Mathe-MOOC-Map ein, d.h. es kommen immer mal wieder neue Teilnehmer dazu. Die allermeisten kommen aus Deutschland – logisch bei einem deutschsprachigen MOOC.

Diskussionen: Unser MOOC setzt auf die Diskussion unter den Teilnehmer_innen und die gemeinsame Aushandlung von Lösungen. Die Diskussionen bleiben in der Quantität leider hinter unseren Erwartungen zurück. Insbesondere in den letzten Wochen sind nur noch wenige Teilnehmer_innen aktiv an Diskussionen beteiligt. (An dieser Stelle mal ein großes Lob an diejenigen, die wirklich jede Woche intensiv mitmachen!) Natürlich kennen wir das Phänomen, dass in Plattformen nur ein sehr geringer Teil sehr aktiv ist und der größte Teil rezipiert, und Kiebitz zu sein ist ja auch ein zulässiger Mitmachmodus. Wir dachten allerdings, durch unsere Impulsvideos und Aufgaben mehr Anreize für Diskussionen zu schaffen. Insbesondere die Online-Beteiligung unter unseren Studierenden ist auch sehr gering. All das kann mehrere Gründe haben, ein paar Ideen dazu hier:

  • Weihnachtszeitstress: Gerade in den letzten Wochen hatten ganz viele Menschen viele andere Dinge zu tun.
  • Hohe Anstrengung: Viele Wochen lang intensiv an einem Mathe-MOOC teilzunehmen ist extrem anstrengend. Hier ist extremes Durchhaltevermögen gefragt. Darüber hinaus geht es auch inhaltlich immer mehr zur Sache. Sich mit anspruchsvollen Aufgaben am Wochenende zu befassen, das bedarf einer hohen Motivation.
  • Online-Hürde: Es kostet eine gewisse Überwindung, eigene Lösungsideen, die vielleicht auch noch Fehler enthalten, online zu stellen. Daher ist die tatsächliche Aktivität unter den Teilnehmer_innen vermutlich höher als es ich in den Diskussionen widerspiegelt. Viele werden sich mit Aufgaben offline befassen, sich online aber nicht einbringen.
  • Verzögerte Antworten: Das Problem bei der foren-artigen Diskussion ist, dass Antworten ein wenig auf sich warten lassen. Ich poste eine Lösungsidee oder eine Frage und muss dann eins, zwei Tage warten, bis von einem anderen Teilnehmer eine Antwort kommt. Wir sind noch nicht „so massive“, dass diese zeitliche Verzögerung durch die schiere Masse an Kommentatoren reduziert würde. Das macht das Einstellen von Lösungsideen unattraktiv.
  • Fehlende Diskussionsfeatures: Es gibt noch ein paar Features, die wir vermissen, wie beispielsweise ein Dashboard, auf dem man sieht, wo gerade viel diskutiert wird, wo auf eine eigene Frage geantwortet wurde usw. Das macht es einerseits für uns sehr aufwändig mitzubekommen, wo Hilfe benötigt wird, zum anderen macht es das dein Teilnehmern schwer, ihre eigenen Diskussionsstränge zu verfolgen.
  • Gruppendynamik: Jede Gruppe ist anders. Das merke ich auch von Vorlesung zu Vorlesung. Einige „Meinungsführer“ beeinflussen die Gruppenatmosphäre gleich in den ersten Wochen in die eine oder in die andere Richtung. Wenn eine Methode in Gruppe A funktioniert, muss das nicht zwangsläufig in Gruppe B auch der Fall sein. Insofern hätte es sein können, dass die Diskussionsentwicklung in einer anderen Gruppe vollkommen anders ausgesehen hätte, nicht weil wir etwas anders gemacht hätten, sondern weil sich eine andere Gruppenatmosphäre entwickelt hätte.
  • Fehlende Notwendigkeit: Unsere eigenen Studierenden spüren keine echte Notwendigkeit, sich online zu beteiligen. Sie haben ja die Offline-Übungsgruppen, die Vorlesung usw. Die Idee, dass unsere Studierenden die Online-Diskussion mit-managen, funktioniert nicht von alleine. Hier müsse wir uns methodisch mehr überlegen.

All das sind Vermutungen. Zurzeit wird im Rahmen von Masterarbeiten genau diesen Fragen mit Hilfe von Umfragen nachgegangen. Darüber hinaus würden wir uns freuen, wenn ihr eure Ideen / Motive / Gründe / … hier als Kommentar posten könntet: Welche Gründe könnte die geringe Diskussionsbeteiliung noch haben? Weshalb beteiligt ihr euch intensiv / nicht intensiv? Wie ist eure generelle Wahrnehmung der Diskussionen? Welches Feedback habt ihr zum MOOC? Was können wir besser machen? Postet was das Zeug hält! 🙂